Rundbrief

 

 Im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen. 

 

Predigt zur Aufnahme von Kurt

Johannes 5, 1-18

Darnach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf gen Jerusalem.  2 Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, 3 in welchem lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. 4 (Denn ein Engel fuhr herab zu seiner Zeit in den Teich und bewegte das Wasser.) Welcher nun zuerst, nachdem das Wasser bewegt war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war.
   5 Es war aber ein Mensch daselbst, achtunddreißig Jahre lang krank gelegen. 6 Da Jesus ihn sah liegen und vernahm, daß er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? 7 Der Kranke antwortete ihm: HERR, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steigt ein anderer vor mir hinein. 8 Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin! 9 Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber desselben Tages der Sabbat. 10 Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bett zu tragen. 11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: "Nimm dein Bett und gehe hin!" 12 Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: "Nimm dein Bett und gehe hin!"? 13 Der aber geheilt worden war, wußte nicht, wer es war; denn Jesus war gewichen, da so viel Volks an dem Ort war.
   14 Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre. 15 Der Mensch ging hin und verkündete es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.

 

 

 

 

 

 

Willst du, dass sich etwas ändert?

 

Ich weiß nicht, ob es heute morgen jemand hier gibt, der mit seinem Leben, oder seiner Welt 100 %ig zufrieden ist? Mal ehrlich! Möchten wir nicht sehr oft das eine oder andere doch ganz gerne verändern oder anders haben wollen.

Manche würden vielleicht gerne 5 Kilo weniger wiegen.
andere möchten kürzer treten, damit sie wieder zu sich selbst finden, Andere wünschen sich mehr Geld, damit sie nicht immer den Euro zweimal umdrehen müssen.
Andere klagen vielleicht über ihre vielen Verpflichtungen und würden gerne alles etwas ruhiger angehen lassen,
und stille und einsame Menschen hätten gerne mehr Gemeinschaft und Herausforderungen, sie wünschen sich das Gefühl, gebraucht zu werden.

Wir kennen alle Zeiten in unserem Leben, da möchten wir etwas verändern!
Schlechte Gewohnheiten, verfahrene Beziehungen, unsere innere Einstellung oder die mangelnde Fitness, kurz: das, worunter wir leiden.
Da gibt es einiges, mit dem wir uns nicht abfinden mögen, weil wir spüren, dass es uns nicht gut tut! Wir fühlen uns alles andere als frei, spüren einen Sehnsucht innerlich frei zu werden, sehnen uns nach Freiheit.

Ein Weg, unsere innerliche Freiheit zu erlangen zeigt uns Jesus. Wir können etwas mit Jesu Hilfe verändern, damit in unserem Leben Freiheit kein Fremdwort mehr ist. Das ist das Thema des heutigen Gottesdienstes und das Thema zu Deiner Aufnahme lieber Kurt in unsere Gemeinde.

Mehr dazu in meiner Predigt.

 

 

Jesus hilf mir, in meinem Leben etwas zu verändern, ein verständlicher Wunsch, wenn ich nicht in meinem Leben und mit mir zufrieden bin.
Diesen Wunsch nach Veränderung kennt auch der Mann, um den es heute im Evangelium geht. Und ich glaube auch, dass du lieber Kurt diesen Wunsch kennst. Du möchtest heute Mitglied unserer Gemeinde werden und der alt-katholischen Kirche beitreten.

Doch zuerst will ich mich noch ein wenig mit dem Mann am Teich von Beth-esda aus dem Evangelium beschäftigen:

Volksfeststimmung ist in Jerusalem. Die ganze Stadt war ein einziges, großes Fest. Von weit her sind damals die Menschen gekommen. Sie feiern, singen, tanzen und amüsieren sich. Auch Jesus ist 100 Kilometer zu Fuß aus Galiläa gekommen. So hat das, denke ich, mit dem Pilgern damals mal angefangen.

Ein Ort in Jerusalem gab es, da war es keinem zum feiern zumute. Bevor Jesus zum Fest ging, besuchte er diesen Ort. Er ging zum Teich Beth-esda, das heißt übersetzt: Haus der Gnade!
Es war ein Ort in Jerusalem, wo seelisch Kranke, behinderte und vom Leben abgeschnittene Menschen zusammenkamen.
Hier waren Menschen versammelt,  mit ihrer Sehnsucht nach Gesundwerden.
Sie saßen an dem Teich, dem heilende Kräfte nachgesagt wurden.
Und tatsächlich, so lesen wir im Evangelium, sind an diesem Teich einige Menschen gesund geworden – gegen alle Wahrscheinlichkeit!
Auch die Menschen damals sehnten sich nach einem zufriedenen, gesunden Leben und wir können ahnen, wie das ist, oder haben es vielleicht schon selbst erfahren, wenn man vergeblich von einer ärztlichen Behandlung zur anderen geht, wenn man sich an jeden Strohhalm geklammert hat, um wieder Hoffnung auf ein gesundes Leben zu haben.
An der Not der Menschen geht Jesus nicht vorbei. Damals nicht – und heute auch nicht. Fast hinter jeder Krankheit steht der Roman eines Lebens, unser Körper spricht  ganz oft von der Seele, das wissen wir heute!

Jesus fragt am Teich von Beth-esda einen  gelähmten Mann

Wie viele Jahre liegst du schon hier“, „38 Jahre“ erwiderte der Mann.
38 Jahre! – Es ist kaum zu fassen!
Irgendwann hat der Mann sich mit seinem Schicksal abgefunden, wahrscheinlich resigniert, und er hatte sich daran gewöhnt, oder sich aufgegeben. Was soll’s. Da kann man nichts machen. 

 „Willst du gesund werden, Fragt ihn Jesus und sieht dem gelähmten Mann dabei in die Augen.
Rührt sich dabei in uns, wenn wir diesen Satz von Jesus hören, nicht erst einmal Empörung. Ist doch klar dass dieser Mann aus seinem Elend heraus will, dass er sich wieder bewegen kann weshalb dann diese Frage?

„Willst du gesund werden? Willst du, dass sich in deinem Leben etwas ändert?“
Klar will das ein gelähmter Mann, jeder dem der Mumm abhanden gekommen ist, das will jeder der Schmerzen hat, der Angst hat, nicht mehr gesund zu werden. Jeder der an einer chronischen Krankheit leidet, auch jeder der sich mit seiner Suchterkrankung auseinandersetzen muss.
Das will auch jeder der ausgebrannt und leer sich fühlt.
dass sich etwas ändert in seinem Leben, das will auch jeder, der mit einem anderen nicht im Reinen ist, der verschuldet ist oder eine Menge Kummer hat und daran krank geworden ist.

Jesus fragt: „Willst du gesund werden?“
Na klar „Na, du hast Nerven… Was soll ich denn anderes wollen, als endlich aus dem Elend herauszukommen? Ich würde gerne mich wieder bewegen können!“

Aber zu unserem Erstaunen sagt das der Gelähmte nicht. Der Kranke sagt:
„Weißt du, niemand ist da, der mich zum Teich bringt, wenn die heilende Quelle sprudelt. Alle sind schneller. Immer komme ich zu spät! Ich habe hier nie eine Chance!“ Ich habe keinen Menschen der mir hilft.
Regt sich da nicht in uns das Mitleid. Warum lassen sie ihn nicht mal vor? Sind 38 Jahr nicht lange genug? Warum hilft ihm denn keiner!

„Ich habe keinen Menschen!“
Kennst du das? Dich in der Opferrolle zu ertappen – dir selbst leid zu tun?
Was soll ich denn tun, ich armes Würstchen?
Ja, wenn ich mehr Anerkennung und Beachtung als Kind bekommen hätte, dann würde ich mir etwas zutrauen.
Ja, wenn mir nicht alle so viel zumuten würden, dann wäre ich nicht immer so ausgelaugt und verspannt.
Ja, wenn mein Leben nicht so schwer gewesen wäre wenn ich nicht so viel schlechtes von den Anderen erlebt hätte, dann könnte ich mit mehr Vertrauen und Mut durch die Welt gehen

Immer machen mir die Anderen das Leben so schwer. Freiheit ist etwas anderes.

Wer von Euch kennt solche Sätze?

Wer ertappt sich immer wieder dabei, den widrigen Umständen oder anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben, und zu leiden unter der großen Verantwortung, die man zu tragen hat, und die einen überfordert.

Es wäre alles gut, wenn ich so könnte, wie ich wollte. Wenn doch mein Leben nicht so schwer wäre!

Wenn ich doch nicht so einsam wäre!
Ja, ja, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre!

Als der Lahme wie ein Häufchen Elend vor Jesus liegt, und hört von ihm den Satz: Ich habe keinen Menschen’!
Erwarten wir da nicht von Jesus  Mitleid und Heilung!
Aber was sagt Jesus:
„Steh auf. Nimm dein Bett und geh!“ Steh auf und geh endlich leben!!!
Manchmal geschieht Hilfe, dass wir an unsere Möglichkeiten erinnert werden, nicht durch Mitleid, sondern dadurch, dass mich jemand an meine Fähigkeiten erinnert.

Fang ganz neu an und lass das Elend der letzten Jahre zurück.
Jesus mutet uns etwas zu. Raus aus dem, was ist, auf zu neuen Ufern. Er mutet uns den Aufstand zu, er glaubt an unsere Fähigkeiten.

Egal, wie wackelig deine ersten Schritte in die neue Richtung sind, verändere, was du so nicht länger hinnehmen willst. Gott gibt uns die Kraft,  in unserem Leben etwas zu verändern.
Bis heute.
Ob wir bereit sind, den Preis für die Veränderung zu zahlen, das müssen wir für uns selbst beantworten.

 „Als Gott den Mensch erschaffen hat, da hat er uns ein Gesicht gegeben. Lächeln müssen wir allerdings selber!“


Immer wieder neu, lässt Gott reichlich Kraft und Trost fließen,  – aber gehen müssen wir selber. Was wir selbst besorgen müssen in dieser Welt, dass dürfen wir von Gott nicht erwarten. Mit 50% sind wir daran beteiligt, wie es um unsere Beziehungen zu anderen Menschen bestellt ist.
Ob andere uns ständig verletzen und ausnutzen, ob man fair mit uns umgeht das entscheiden wir mit – dadurch, ob wir uns das gefallen lassen oder nicht!
Wenn manche Treffen vor sich öde verlaufen: Wir können etwas dazu beitragen, dass wieder Leben in die Bude kommt, indem wir jede Menge Farbe dazu mischen, denn Freiheit ist etwas anderes.

Eigentlich wissen wir alle, dass mancher Stress, über den wir klagen, hausgemacht ist.
Wie oft hat sich ein klärendes Gespräch, vor dem wir ganz viel Angst hatten, im Nachhinein als Wohltat für alle Beteiligten erwiesen.
Wie oft hat ein Krankenbesuch eines lieben Menschen, den wir immer wieder vor uns hergeschoben hatten, uns selbst gut getan!

Wir können unsere Welt durch unser eigens Verhalten  freundlicher und wohnlicher machen, wenn sie uns kalt und herzlos erscheint, indem wir auf andere zugehen, indem wir mehr loben als kritisieren, indem wir mehr lächeln als finster drein blicken.
Ein anderer Tonfall reicht oft schon, damit sich etwas verändert!

„Steh auf. Nimm dein Bett und geh!“ Geh leben! Jesus traut dir etwas zu!
Finde dich nicht ab mit dem, was dich hindert und zurückhält
Um etwas zu verändern, tu was dir möglich ist! Denn Freiheit ist etwas anderes.

38 Jahre lang ist der Mann gelähmt.
Um wieder aufrecht gehen zu können, da braucht es Zeit und viele gute Worte. Menschen, die jahrelang ihr Licht unter den Scheffel gestellt haben und mut-müde geworden sind, die brauchen Zeit und viel Aufmunterung, bis sie sich wieder etwas zutrauen.
Menschen, die oft Ablehnung erfahren haben, denen fällt es schwer zu glauben, dass sie willkommen sind.
Wen man jahrelang alles unter den Teppich gekehrt hat, um des lieben Friedens willen, der braucht lange, um endlich einzusehen, dass Klärungen hermüssen. Denn Freiheit ist etwas anderes.

Ich kenne genug Menschen, die haben viel zu lange auf das Urteil der anderen gehört als auf ihr eigenes.
Um selbst-sicher und selbst-ständig zu werden braucht es dann Zeit.
Vielleicht haben wir viele Jahre gebetet und geweint in einer Beziehung und alles ist beim Alten geblieben.
Da braucht es Mut und Kraft, um gemeinsam Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Vielleicht sehen sich auch manche als Opfer der Umstände, da wird es Zeit, selbst Verantwortung zu übernehmen für das, was ist. Denn: Freiheit ist etwas anderes.

Steh auf. Nimm dein Bett und geh!


Ich habe viel zu lange mich von der Angst lähmen lassen aus dem Orden auszutreten, habe nicht gelebt, wie ich in der Nähe Gottes, mit seiner Kraft, mit seinem Trost, mit seiner Weisheit hätte leben können. Aber dann stand ich endlich auf. Es hat sich viel in meinem Leben verändert. Und Ursula und Jürgen haben mich auf diesem Wege immer wieder bestärkt.
Vielleicht hörst du heute auch das Wort von Jesus: Steh auf.
Gleich nachher, oder wenn du wieder zu Hause bist. Wenn du nicht wieder im alten Trott landen willst! Wenn du losgehen willst, in dem Wissen, dass du von Gott getragen bist, egal, wie stümperhaft deine Schritte sind, wie viele Fehler du dabei machen wirst.

Wir sitzen hier in einem Gottesdienst, nicht an einer heilenden Quelle wie in Beth-esda, aber auch hier kann etwas in Bewegung in Wallung kommen, darauf vertraue ich.
Wir sitzen hier in Aachen in unserer Kirche mitten unter den Menschen unserer Gemeinde und jeder hat seine ganz eigenen Sehnsüchte, dass sich etwas verändert!

Die Veränderungen erwarten wir nicht von der Wallung eines Wassers.
Wir legen auch nicht unsere Hände in den Schoß und sagen: Gott wird’s schon richten.
Wir finden uns nicht ab, mit dem, worunter wir leiden, mit dem wir nicht zufrieden – und im Frieden – sind.
Wir erfahren Veränderungen von Jesus Christus, der Quelle des Lebens, mit einem einzigen Satz: „Steh auf“.

Auf sein Wort hin wollen wir aufstehen und endlich losgehen.
Auch die längste Reise beginnt immer mit dem ersten Schritt!

Die Anderen, die Umstände, das ist das eine.
Was jetzt zählt ist unsere Antwort auf die Frage:
„Willst du aufstehen, damit sich etwas verändert in deinem Leben, und dass etwas heil in dir wird!“
Gott trägt dich – und tu, was dir möglich ist! Mit der Gewissheit der Gnade geh los, denn dass das ist Freiheit

Lieber Kurt ich durfte ich ja schon eine ganze Weile begleiten hier in Aachen und ich habe Dich in Zeiten kennengelernt da ging es Dir ähnlich wie diesem Mann in Jerusalem. Ich habe Deine wohltuende Veränderung erleben dürfen und mich immer wieder mit Dir freuen können über Deinen Weg zurück in das Leben. Dazu gehört auch Deine Entscheidung heute in unsere Gemeinde aufgenommen zu werden.

Ich möchte Dir lieber Kurt zur Aufnahme in unsere Gemeinde gerne einen Satz schenken:

Ändere, was du so nicht länger hinnehmen willst…. Egal, wie wackelig deine ersten Schritte in die neue Richtung sind, Du hast erfahren, dass Du damit nicht alleine bist.

Amen

 

 

 

 

Predigt von Jürgen Grewe, unser Seelsorger der alt-katholischen Kirche in Aachen

Samstag den 08.08.2009

 

Die Sache mit den Kastanien

oder:

Von Ungeduld und Geduld im Glauben

Als ich noch ein junger Vater war, unsere Kinder also noch klein waren, gab es bei uns in der Nähe (damals wohnten wir in Köln) einen Park mit wunderschönen Kastanienbäumen. Bei unseren Spaziergängen beobachteten wir, wie sie im Frühling Blätter und dann wunderbare Blüten bekamen und wie schließlich die grünen stachligen Früchte daran wuchsen. Ich erzählte den Kindern von den braunen, glatten Früchten, die aus den Schalen herausfallen würden, wenn sie im Herbst reif wären.

Als es auf den Herbst zuging, kamen wir eines Tages wieder in den Park. Die Kastanien waren inzwischen dick geworden. So fragten die Kinder, wann sie denn nun endlich die braunen Früchte sehen könnten. Ich erzählte ihnen, die Früchte seien sicher schon fertig, aber sie fielen eben noch nicht herunter. So entstand der Wunsch, dem ein wenig nachzuhelfen. Wir suchten nach einen Stück Holz, dass wir nach oben werfen konnten. Dann warfen wir viele Male, aber es war gar nicht so einfach, die Kastanien zu treffen. Doch selbst dann, wenn wir trafen, fielen sie nicht herunter, sie saßen noch zu fest am Ast.

Ein paar Tage später waren wir wieder im Park. Auch jetzt reizte es uns wieder, unser Glück zu versuchen. Nach etlichen Versuchen fielen schließlich zwei grüne Kastanien herunter, blieben aber geschlossen liegen, so dass wir sie noch mühsam öffnen mussten, um wirklich an die Früchte im Inneren heranzukommen. Wir gaben unsere anstrengende Tätigkeit dann auf.

Etwa zwei Wochen später waren wir wieder im Park. Und, welches Wunder – da lagen die Kastanien einfach auf der Erde und strahlten uns an. Jeder leichte Windstoß ließ weitere Fürchte herunterfallen. Selbst wenn kein Wind kam, fielen sie einfach herunter. Wenn sie auf den Boden aufschlugen, sprangen die Schalen von selber auf und gaben die Kastanien frei. Wir brauchten uns nur noch zu bücken und sie aufzuheben – wir bekamen Kastanien, so viele wir wollten, und das ganz ohne Mühe. Sie fielen uns ohne Mühe zu, weil sie jetzt reif waren.

Dieses Erlebnis hat mich oft zum Nachdenken angeregt. Ist es  im Leben nicht genau so? Da wollen wir etwas unbedingt haben und wollen nicht warten. Wir geben uns große Mühe. Entweder kommen wir gar nicht ans Ziel und müssen aufgeben. Oder wir erreichen unser Ziel nur mit großer Anstrengung. Dabei würden wir, zu einem späteren Zeitpunkt, wenn wir nur so lange warten könnten, das Ziel fast ganz von selbst erreichen.

 

Da ist einmal die Aussage bei Lukas, in der Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen,  wie froh wäre ich, wenn es schon brennen würde!“ (Lk 12,49)  Hier begegnet uns der ungeduldige Jesus. Das heißt: Die Ungeduld wird in der Bibel nicht verworfen, denn sie ist ganz wichtig. Sie ist ein Zeichen dafür, dass mir etwas sehr am Herzen liegt; dass ich spüre, es nötig zu haben, ja ohne es nicht glücklich leben zu können.

Diese Haltung ist gerade im Glauben wichtig: Ohne sie wäre mir der Glaube mehr oder weniger gleichgültig, und es würde mich nicht berühren, ob er wächst oder nicht.

Aber, wenn ich nur dabei bleibe, wird es mir nicht viel nützen. Ich werde mich nur sehr anstrengen, ohne wirklich weiter zu kommen. Denn der Glaube ist etwas, das ich nicht selber machen kann (ebenso wenig wie ich es machen kann, dass die Kastanien an den Bäumen schneller reif werden). Ich muss warten, dass ein anderer „macht“. Denn der Glauben wird mir von Gott gegeben, er ist ein Geschenk. Gott hat seine eigene Zeit, in der er den Glauben in mir wachruft oder mich auf die nächste Stufe des Glaubens führt.

Dazu ist Geduld nötig. Jesus erzählt davon an verschiedenen Stellen, so im „Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen“: Da kommen die Knechte zu ihrem Herren und wollen das Unkraut so schnell wie möglich ausreißen. Der Herr aber weist sie an: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte!“ Gott hat Geduld. Er schenkt uns seine Gaben, wenn es so weit ist. Der Zeitpunkt ist uns unbekannt, wir müssen ihn in Geduld erwarten.

 

So steht das Leben des gläubigen Christen in dieser Spannung:

-         einerseits ist es wichtig, dass jeder von uns Wünsche hat nach einem tieferen Glauben, danach, „reif“ zu werden zu einem tieferen Vertrauen auf Gott; dass uns also eine brennende Sehnsucht umtreibt;

-         andererseits aber ist es genau so wichtig, dass uns klar ist, dass unsere Ungeduld uns nicht weiter bringt, dass wir selber daran nichts ändern können, sondern dass wir warten müssen, bis Gott uns dieses Vertrauen schenkt, es in uns weckt – in Geduld.

 

Diese Situation finden wir auch bei Jesus. Im Markus-Evangelium heißt es: „Als er das merkte, sagte er zu ihnen: ... Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verblendet? Habt ihr Augen und seht nicht, und Ohren und hört nicht?“       (Mk 8,17+18)

An anderen Stellen aber erklärt Jesus ihnen geduldig, wie er etwas gemeint hat und wie sie es verstehen sollen. 

Auf diese Haltung rufe ich mich dann auch selber immer wieder zurück: Es ist wichtig, mit uns selbst, aber auch mit den anderen viel Geduld zu haben. Vieles dauert viel länger, als wir es gerne hätten.

 

-         einerseits das „Verlangen nach mehr“ und die „Sehnsucht nach Größerem“ in uns zu wecken;

 

Deshalb gehört es zu den bedeutenden Aufgaben unter Christen,  gerade auch in der Gemeinde, uns gegenseitig dabei zu helfen:

 

Ich erlebe selber immer wieder, wie schwer das ist: Da begegne ich einem Mitchristen, der sehr unter seiner Situation leidet. Im Gespräch stellt sich heraus, dass es ihm viel leichter gehen könnte, wenn ein bestimmter Aspekt des Glaubens schon in ihm lebendig wäre. Dann würde ich ihn gerne schütteln und sagen: Wieso glaubst du das denn immer noch nicht? Selbst Maria musste das lernen. Bei der Hochzeit zu Kana möchte sie, dass ihr Sohn den Leuten schnell hilft: „Herr, sie haben keinen Wein mehr!“  „Meine Zeit ist noch nicht gekommen!“ erhält sie zur Antwort.

Mir scheint, im Glauben ist es genau so. Es gibt in den Evangelien dazu passende Geschichten.

 

Dieses Gebet empfehle ich euch an ungeduldigen Tagen.

 

 Es gibt ein tiefsinniges Gebetbuch mit „Tiergebeten“. Darin betet die Schnecke: „Nur Geduld, lieber Gott, ich komme schon!“

Aklesso Antoine Balouki  schrieb einen Text zur Segnungsfeier:

JESUS, DEINE STIMME IN DER STILLE...

 

 In der Mitte der Unruhe, du flüsterst in meinem Ohr: „Bleib ruhig in Mir!“

In der Mitte des Krieges und der Gewalt,

       klingelt in der Tiefe meines Herzens deine Stimme:“ Hab keine Angst, Ich bin mit dir“

 

Wenn alles durcheinander läuft und ich fühle mich verlassen

      dann kommst du lautlos auf einer inneren Leinwand und du sagst: „Heb deine Augen auf, schau mich an, ich bin nicht weit von dir.

 

Denn Du Jesus, Du bist immer in der Tiefe jedes Lebens, wenn man Dir zuhört

     Du hast ein Wort zu jedem Umstande, es ist Dein Wort, das alles geschaffen hat.

 

Wer kann deine Stimme hören, zu dem Du nicht gesprochen hast?

 

Darum unsere Kämpfe, unsere Unruhen, unsere Verzweiflungen, unsere Stürme,

    Die Du Selbst erlebt hast, von Bethlehem nach Ägypten, auf den Wegen von Judäa und Galiläa

 

Damit DU Jesus Caritas , Liebe aller Liebe

     mit uns heute, wie mit Deinem Diener Charles de Foucauld in der Wüste der Sahara

auf allen Wüsten unserer Leben den Weg mit uns mitlaufen willst.

 

Dein heutiges Werk durch Bruder Samuel ist kaum zu sehen.

 

Wie damals in dem Kuhstall in Bethlehem und immer am Anfang deiner Werke

    Lass uns deine Stimme in der Stille und Verborgenheit hören

und Dir, dem Guten Hirten folgen.

 

Sei gepriesen mit dem Vater und dem Heiligen Geiste, denn DU hast uns gemacht, uns ausgewählt    

   

         für deine Heiligkeit. Amen!

 

 

 

 

Würselen, 05.07.2009

 

Aklesso Antoine Balouki   

 

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Der Wille Gottes

 

Liebe Schwestern und Brüder!

In meinem heutigen Rundbrief soll es um den Willen Gottes gehen. Wie kann ich Gottes Willen erkennen? Wie zeigt mir Gott seinen Willen? Wie kann ich mir sicher sein, dass etwas wirklich Gottes Wille ist?

 
Fragen, die ich mit Hilfe des Evangeliums einmal nachgehen möchte.
Gott hat einen Plan für mein Leben das ist mir als Christ bewusst. Keiner von uns ist durch Zufall auf dieser Welt, sondern deshalb, weil Gott etwas ganz Besonderes mit ihm vorhat! Es ist ganz egal, wer wir sind, wo wir leben und unter welchen Umständen wir leben: Gott hat etwas Gutes mit uns vor. Und Gottes Plan, Gottes Wille für unser Leben ist für jeden ganz individuell verschieden. Wenn wir Gottes Willen befolgen, werden wir erleben, was Gott aus unserem Leben machen kann.
Aber was ist Gottes Wille und Weg für mich?

Das ist manchmal gar nicht so leicht herauszufinden. Da gibt es die verschiedensten Methoden, die Leute anwenden, um Gottes Willen zu erfahren. Zum Beispiel die „Bibel-aufschlage-Methode”: Man schlägt die Bibel an irgendeiner Stelle auf, tippt dann blind mit seinem Finger auf irgendeinen Bibelvers und dieser Vers ist dann Gottes Wille für mich. Und wenn der Vers nicht gleich auf meine Situation passt, dann probiere ich das ganze eben noch mal. Irgendwann wird es schon hinhauen. So hat ja bekannterweise jemand mal zuerst den Vers erwischt: „Und Judas ging hin und erhängte sich” Beim zweiten Versuch traf er auf den Vers: „Gehe du hin und tue desgleichen!” Und zuguterletzt kam er beim dritten Versuch auf den Vers: „Was du tun willst, das tue bald!” Dann hat er seine Methode zum Glück aufgegeben und es wurde ihm klar, dass er so unmöglich Gottes Willen erfahren konnte.

Aber wie können wir nun Gottes Willen erkennen?
Sagt uns Gott seinen Willen überhaupt so, dass wir ihn immer verstehen können?
In Epheser 5,17 heißt es: „Darum werdet nicht unverständig, sondern verstehet, was da sei des Herrn Wille!” Paulus fordert die Epheser auf, Gottes Willen zu verstehen. Gott spricht also so zu uns, dass wir ihn verstehen können. Es würde auch nicht zu Gott passen, wenn er sagen würde: „Ich habe zwar einen tollen Plan für dein Leben, aber den verrate ich dir nicht! Gott redet zu uns so, dass wir ihn verstehen können, aber ich muss ihm auch zuhören können.

Es gibt sicher viele individuelle Wege auf Gottes willen zu hören ich kann Dir gerne von meinem Weg erzählen:

Meine erste Vorraussetzung, um Gottes Willen zu erkennen:


1. Ich gehe unter Gottes Wort und lese das Evangelium, immer und immer wieder!

Wenn ich Gottes Wort immer mehr in mir aufnehme, es immer wieder lese und höre, dann werden ich auch langsam mein Handeln danach ausrichten können. Dann wird der Heilige Geist in mir wirken und Gottes Maßstäbe zu meinen machen. In Psalm 119, 105 sagt David: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg!”
Wenn ich Gottes Wort ganz aufnehme, sozusagen verinnerliche, dann werden viele Dinge für mich von selbst klar. Gottes Wort bringt Licht ins Dunkel meiner Fragen und Probleme, sein Wort zeigt mir Wege und Auswege.
Wenn ich wirklich viel in Gottes Wort lese, dann kann ich auch wissen, was Gott mir darin zeigt für mein Leben. Und dann kriege ich mein Leben auf die Reihe. Dazu gehört, dass ich die Bibel auch mit der Frage im Hinterkopf lese: „Herr, was willst du mir durch diesen Text zeigen? Wo meinst du in diesem Wort mich persönlich?” Ich lese die Bibel, wie einen ganz persönlichen Brief an mich. Das letzte, was ich am Tag vor dem Einschlafen tue, ist das Bibellesen. Denn dann wird sich mein Geist auch die Nacht über mit Gottes Wort befassen, ohne dass ich es merke. Sich mit dem Evangelium zu befassen, ist das Beste, was ich tun kann, denn die Bibel ist das Wertvollste, das ich besitze. Gott zeigt mir seinen Willen in seinem Wort.


2. Ich verbringe viel Zeit im Gespräch mit Gott!


Ich schätze diese wunderschönen Anbetungslieder, die ich  gerne mitsinge, um Gott zu loben. Aber: ich bin auch bereit, Gott zuzuhören? Verbringe Zeit mit Gott mit einer geöffneten Bibel vor mir und der Frage: „Was willst du, das ich tun soll”?
Zu Gott beten und „im Gespräch mit Gott sein”, ist ein Unterschied. Geht es mir bei meinem Gebet nur um meine Bedürfnisse, meine Gedanken und meine Bitten - oder lasse ich auch Gott mal zu Wort kommen und mir zeigen, was er will?
Ich bitte Gott mir zu helfen, seinen Willen zu verstehen, damit ich ihn nicht so auslege, wie ich ihn gerne hätte. Wenn ich ganz ehrlich und demütig Gott darum bitte, dann wird mir sein Heiliger Geist auch zeigen, was ich tun soll.


3. Ich achte auf meine Beziehung zu Gott!

Gott möchte mir seinen Willen zeigen, aber dazu gehört, dass ich mit ihm im Gespräch bleibe, und zwar nicht nur zehn Minuten morgens während der „Stillen Zeit”.

Stelle Dir ein verlobtes Paar vor, das drei Wochen zusammen in Urlaub fährt. Die beiden sind den ganzen Tag über zusammen während des ganzen Urlaubs. Aber der junge Mann spricht nur morgens beim Frühstück ein paar nette Worte zu seiner Liebsten und ignoriert sie für den Rest des Tages - es sei denn, er hat eine wichtige Frage. Ich bin sicher, die junge Frau würde sich das mit der bevorstehenden Hochzeit noch mal gründlich überlegen. So sieht einfach keine gesunde Beziehung aus.
Ebenso lebt meine Beziehung zu Gott vom Gespräch. Gott möchte nicht nur dann angesprochen werden, wenn ich nicht weiterweiß. Gott will mein allerbester Freund sein, einer, mit dem ich alles bespreche, einer, der überall dabei ist und mit einbezogen wird! Gott will mir seine Liebe zeigen und auch von mir geliebt werden!

1. Wie soll ich Gottes Willen tun? 
In Spr. 3, 5 heißt es: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und Verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.”
Vertrau Gott - auch wenn dein Verstand sich dagegen wehrt! Auf Gott ist Verlass!


4. Warte auf Gott!


In Psalm 27,14 heißt es: „Harre des Herrn (- das heißt, warte auf den Herrn -)! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!” Das ist eines der schwersten Dinge, auf Gottes Eingreifen zu warten, ganz getrost, dass er mich nicht im Stich lässt! Ich warte auf Gottes Eingreifen, darauf, dass er mir sagt, was ich tun soll Ich glaube, auf Gott in Gelassenheit zu warten, das muß ich mein Leben lang lernen! Aber es lohnt sich!

5.Hab’ Mut!


Es gehört oft ganz schön Mut dazu, nach Gottes Willen zu handeln. Gott fordert uns auf, den Mut zu haben, seinen Willen zu befolgen.
In Josua 1, 9 steht: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seiest. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst!” Das sagte Gott zu Josua bei seiner Berufung zum Führer des Volkes, aber für mich gilt das auch. Gott ist bei mir, deshalb habe ich für seine Sache genügend Mut.

 

 

Wie kann ich sicher sein, dass das, was ich als Gottes Willen ansehe, auch wirklich Gottes Wille ist?

1. Ist das, was ich tun will, mit Gottes Wort vereinbar?


Gott würde nie etwas von mir verlangen, was seinem Wort widerspricht - sonst würde er sich ja selbst widersprechen. Deshalb ist diese Frage sehr wichtig: Ist das, was ich tun will, mit Gottes Wort vereinbar?
Um diese Frage beantworten zu können, muss ich wissen, was in der Bibel steht, und darum ist es auch wichtig, dass ich mich viel mit der Bibel befassen!


2. Kann ich Gott von ganzem Herzen bitten, mir zu ermöglichen, diese Sache zu tun / diesen Weg zu gehen?


Als Christen haben wir den Heiligen Geist in uns, der in uns wirkt. Und der Heilige Geist wird nicht zulassen, dass ich Gott wirklich aus reinem Gewissen und voller Überzeugung um seine Hilfe in einer Sache bitten kann, die nicht seinem Willen entspricht!
Wenn ich mir nicht sicher bin, dass der Heilige Geist sozusagen „damit einverstanden ist”, dann sollte ich es lassen. Die wohl kürzeste englische Predigt heißt: „If in doubt, don’t!” Das heißt: „Wenn du im Zweifel bist, tu’s nicht!”
Es geht dabei nicht um ein tolles Gefühl, das ich bei der Sache habe, sondern um die Gewissheit, dass ich nicht gegen Gottes Willen handele. Diese Gewissheit kann ich auch dann haben, wenn ich ängstlich an eine Sache heran gehe. Umgekehrt kann diese letzte Gewissheit fehlen, obwohl ich eine Sache wahnsinnig gerne tun würde.


3. Ist das, was ich tue, angebracht für ein Kind Gottes? Zeigt es, dass ich Gottes Kind bin?


Als Kinder Gottes sollen wir uns so verhalten, dass andere Menschen aus unserem Verhalten Rückschlüsse auf unser Verhältnis zu Gott ziehen können.

4. Ehrt das, was ich tue, Gott?


Als Kinder Gottes sollen wir zur Ehre Gottes leben.
In 1. Korinther 10, 31 sagt Paulus: „Ihr esst oder trinkt oder was ihr auch tut, tut alles zu Gottes Ehre!”

Ich möchte schließen mit dem Wort aus Johannes 14, 23. Dort sagt Jesus:


„Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.”
Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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